Phytonährstoffe (auch sekundäre Pflanzenstoffe genannt) sind bioaktive Verbindungen, die in Pflanzen vorkommen und den Pflanzen Farbe, Geschmack und Schutz vor Schädlingen verleihen. Obwohl sie für den Menschen nicht essenziell sind wie Vitamine oder Mineralstoffe, haben sie zahlreiche gesundheitliche Vorteile.
Wichtige Gruppen von Phytonährstoffen und ihre Wirkungen
- Carotinoide (z. B. Beta-Carotin, Lutein, Lycopin)
- Vorkommen: Karotten, Tomaten, Spinat
- Wirkung: Antioxidativ, schützt die Augen, stärkt das Immunsystem
- Flavonoide (z. B. Quercetin, Kaempferol)
- Vorkommen: Beeren, Zwiebeln, grüner Tee
- Wirkung: Entzündungshemmend, unterstützt das Herz-Kreislauf-System
- Glucosinolate
- Vorkommen: Brokkoli, Kohl, Senf
- Wirkung: Unterstützen die Entgiftung, krebshemmend
- Saponine
- Vorkommen: Hülsenfrüchte, Hafer
- Wirkung: Cholesterinsenkend, antibakteriell
- Phenolsäuren (z. B. Kaffeesäure)
- Vorkommen: Kaffee, Vollkornprodukte
- Wirkung: Antioxidativ, entzündungshemmend
- Lignane
- Vorkommen: Leinsamen, Sesam
- Wirkung: Hormonregulierend, möglicherweise krebshemmend
Es gibt deutliche Zusammenhänge zwischen Phytonährstoffen und der Epigenetik. Epigenetik bezieht sich auf Veränderungen in der Genexpression, die nicht durch Änderungen der DNA-Sequenz selbst verursacht werden, sondern durch chemische Modifikationen der DNA oder der Histonproteine, wie z. B.:
- DNA-Methylierung (Hinzufügen von Methylgruppen an die DNA, um Gene zu aktivieren oder zu deaktivieren)
- Histon-Modifikationen (Veränderung der Verpackung der DNA, um den Zugang für Transkriptionsfaktoren zu erleichtern oder zu erschweren)
- Regulation durch microRNAs (Beeinflussung der Genexpression durch kleine RNA-Moleküle)
Wie beeinflussen die einzelnen Phytonährstoffe die Epigenetik (Beispiele)?
- Curcumin (aus Kurkuma)
- Hemmt DNA-Methyltransferasen (DNMTs), die für die Methylierung verantwortlich sind.
- Beeinflusst Histon-Modifikationen und microRNA-Expression.
- Kann entzündungshemmende und krebshemmende Gene aktivieren.
- Resveratrol (aus roten Trauben, Rotwein)
- Aktiviert Sirtuine (SIRT1), die mit Langlebigkeit und Zellschutz verbunden sind.
- Reguliert Histon-Modifikationen und beeinflusst Gene, die mit Alterung und Stoffwechsel verbunden sind.
- Sulforaphan (aus Brokkoli, Kohl)
- Beeinflusst die Expression von Tumorsuppressorgenen durch Hemmung der DNA-Methylierung.
- Unterstützt die Entgiftung und Zellschutzmechanismen.
- Genistein (aus Soja)
- Modifiziert die DNA-Methylierung und Histon-Acetylierung.
- Reduziert das Risiko für hormonabhängige Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs.
- EGCG (Epigallocatechingallat, aus grünem und weissem Tee)
- Hemmt DNMTs und reaktiviert unterdrückte Tumorsuppressorgene.
- Beeinflusst die microRNA-Regulation und wirkt entzündungshemmend.
Gesundheitliche Relevanz dieser epigenetischen Effekte
- Krebsprävention: Viele Phytonährstoffe reaktivieren Tumorsuppressorgene oder hemmen krebsfördernde Gene.
- Alterung & Langlebigkeit: Sirtuine (wie SIRT1) spielen eine Schlüsselrolle in der Zellalterung und können durch bestimmte Nährstoffe aktiviert werden.
- Stoffwechselerkrankungen: Phytonährstoffe können epigenetische Mechanismen beeinflussen, die mit Diabetes und Fettleibigkeit in Verbindung stehen.
- Neuroprotektion: Einige Verbindungen (z. B. Curcumin, Resveratrol) haben neuroprotektive Effekte durch epigenetische Regulation und könnten das Risiko für Alzheimer und Parkinson senken.
Phytonährstoffe haben das Potenzial, unsere Gene epigenetisch zu modulieren und dadurch präventiv gegen verschiedene Krankheiten zu wirken. Eine Ernährung reich an pflanzlichen Lebensmitteln kann somit nicht nur unsere aktuelle Gesundheit, sondern auch unsere genetische Veranlagung und somit die Langlebigkeit positiv beeinflussen.